Seelsorge.net: Das digitale Ohr und seine Geschichte

Eine E-Mail – und ein Mensch, der zuhört: Das Konzept von Seelsorge.net ist einfach und bewährt. Seit 30 Jahren begleitet das Angebot Menschen kurzfristig oder über längere Zeit hinweg durch schwierige Lebensphasen. Katholisch Stadt Zürich gehört zu den Trägerinnen dieser erfolgreichen Einrichtung.

Als die Internet-Seelsorge – das heutige Seelsorge.net – am 27. September 1995 online ging, steckte das Internet noch in den Kinderschuhen. Das World Wide Web war erst seit wenigen Jahren öffentlich zugänglich, und kaum jemand war rund um die Uhr online. In diesem digitalen Umfeld einen Seelsorgedienst im Internet zu lancieren, erforderte Mut und Weitsicht.

Der Pioniergeist zahlte sich aus: Das Angebot fand rasch breite Beachtung in der Öffentlichkeit. Zwar begegneten konservative Kreise der neuen Form der Seelsorge anfänglich mit Zurückhaltung – ähnlich wie einst der Telefonseelsorge («Die Dargebotene Hand», 145). Doch der Zuspruch überwog alle Vorbehalte.

Seinen Ursprung nahm das Angebot im St. Galler Rheintal. Bald wurde es auf Websites von Medienhäusern in Vorarlberg, Liechtenstein und Süddeutschland eingebunden. Auch kirchliche Kreise zeigten Interesse: Zunächst unterstützte die St. Galler Kirche die Internet-Seelsorge ideell, später kamen die Zürcher Kirche und weitere kirchliche Träger hinzu. Im Jahr 2025 feierte Seelsorge.net sein 30-jähriges Jubiläum.

Finanziert wird Seelsorge.net durch Spenden sowie Beiträge verschiedener kirchlicher Organisationen, darunter auch Katholisch Stadt Zürich. «Wir stehen zu unseren kirchlichen Wurzeln und verstehen uns als kirchliches Angebot», sagt Geschäftsführer Pascal Gregor. «Gleichzeitig ist es uns wichtig, niemanden zu missionieren.»

Der Zugang ist einfach und anonym: Ratsuchende geben auf der Website ihre E-Mail-Adresse und ein Passwort ein, schildern ihr Anliegen und senden es ab. Persönliche Angaben werden nicht erhoben, und selbst die E-Mail-Adresse bleibt für die Betreiber und die Seelsorgenden unsichtbar.

Drei sogenannte Mailmaster sichten die eingehenden Anfragen und leiten sie an eine der rund 30 Seelsorgepersonen weiter. Es handelt sich um reale Menschen, nicht um automatisierte Systeme. Daraus entstehen schriftliche Beratungsdialoge, die wenige Tage oder auch mehrere Monate dauern können – selbstverständlich kostenlos.

Die Anonymität erleichtert es vielen Menschen, offen über ihre Sorgen zu sprechen. Der Bedarf ist gross: Jeden Monat gehen rund 130 neue Anfragen ein. Am häufigsten geht es um Beziehungsthemen in all ihren Facetten.

Ein Thema, das auch nach 30 Jahren nichts von seiner Aktualität verloren hat.

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