Begegnung
Vom Wölfli zum Kirchenpflegepräsidenten: Lukas Tschopp (58) ist stark in der Pfarrei Guthirt (Zürich-Wipkingen) verwurzelt. Wurzeln, die sturmerprobt sind.
Ich bin ein Kind der Pfarrei. Besonders prägend war für mich die Zeit in der Pfadi – die Freundschaften von damals tragen bis heute. Wenn man als Pfadfinder durchnässt im Regen gemeinsam ein Zelt aufstellen muss, lernt man einander wirklich kennen. Das schweisst für immer zusammen.
In der Pfarrei hatten wir Jugendlichen unsere «Kryptabar». Sie war im wahrsten Sinne des Wortes ein «Freiraum», den wir jederzeit nutzen durften. Und damit verfügten wir in den restriktiven 80er-Jahren wohl über die grosszügigsten Club-Öffnungszeiten im ganzen Grossraum Zürich.
Mit dem Einstieg ins Berufsleben und dem Reisen rückte die Kirche zunächst in den Hintergrund. Doch wo immer ich auf der Welt eine Kirche betrat, eine Kerze anzündete und einen Moment innehielt, fühlte ich mich «daheim».
Die Kirche hat mir wertvollen Lebensproviant mitgegeben – eine Haltung, um der Welt, den Menschen und dem Leben zu begegnen. So richtig bewusst wurde mir das, als meine erste Frau vor rund zehn Jahren an Krebs erkrankte und daran starb. Der eigentliche Schock war ihre Diagnose – aus dem Nichts. Wut und Verzweiflung frassen uns beinahe auf. Doch dank der aufmerksamen Begleitung unseres damaligen Pfarrers sowie unseres Seelsorgers ging in dieser Dunkelheit langsam ein Licht an. Die Wut wich Gelassenheit, getragen von einem tiefen Vertrauen: Ich bin gehalten in Gott.
Wir Menschen tragen das eigentlich in uns: vollkommen zu vertrauen. Kinder tun dies instinktiv. Und genau darum geht es: Wir sind Kinder Gottes. Wovor sollen wir uns fürchten, wenn wir glauben und auf seine Liebe vertrauen? Er hat die allumfassende Sicht – wir bewegen uns, wenn überhaupt, froschperspektivisch. Wir dürfen loslassen, auch wenn es Mut braucht.
Unser Pfarrer steckte mich und meine Frau in der Krise derart mit seinem unerschütterlichen Gottvertrauen an, dass ich mich 2014 zum Kirchenpflegepräsidenten wählen liess. Aus Dankbarkeit. Dieses Amt ist neben meiner Tätigkeit als Kochlehrer an der Sekundarschule Waidhalde manchmal durchaus herausfordernd. Eine Pfarrei mit all ihren Menschen ist ein komplexes Gebilde.
Trotzdem: Im Spätsommer 2026 werde ich mich nochmals für dieses Amt zur Verfügung stellen. Weil es sich lohnt.

