Das «Maschinengewehr Gottes»
trank keinen Kapselkaffee
August 2026
Liebe «Stadtleben»-Interessierte
«Maschinengewehr Gottes» nannte man den 2018 verstorbenen US-Prediger Billy Graham. Er war der Seelsorger mehrerer US-Präsidenten und tingelte mit seiner Mission um den ganzen Globus. In den Anfängen noch bescheiden wie der Zirkus Stey im Zelt. Später bombastisch wie die Rolling Stones in Arenen vor über 100’000 Leuten.
Alle, die Graham einmal live erlebten, wie er mit erhobenem Zeigefinger das furchteinflössende «But the bible says …!» schmetterte, kriegten bis ans Lebensende beim Anblick einer Bibel seine Stimme nicht mehr aus dem Kopf. Denn: Grahams Predigten waren keine Lavendelkissen zum Einschlafen, sondern Säcke voller Reisnägel.
Dazu passt eine Passage aus seiner Biografie: Graham wurde morgens um drei von einem jungen Mann angerufen, der nicht mehr weiterwusste, ihn aber am Abend zuvor predigen gehört hatte.
Graham: «Ich bestellte den jungen Mann sofort in mein Hotel. Mein Assistent kochte zwei grosse Kannen starken Kaffee auf. Als der junge Mann bei uns eintraf, knieten wir nieder und beteten, tranken den starken Kaffee und knieten erneut nieder zum Beten. Als der junge Mann um zehn Uhr das Hotel verliess, ging er aufrecht und mit glühender Lebenskraft in den Augen nach Hause.»
Das ist kein biblisches Wunder. Nach zwei Kannen Filterkaffees in blumenvasengrossen Tassen würden die meisten von uns mit gehörig Schub ans Tagewerk gehen. Vielleicht sollten wir tatsächlich in der katholischen Kirche die zwergenhaften Alu-Kapseln auf die Seite stellen und künftig eine Kanne Graham’schen Bohnensud trinken. Der Heilige Geist weht bekanntlich, wo er will.

Anregen möchten auch wir am «Zürich liest»-Festival im Oktober. Mit vier Veranstaltungen mit Bestseller-Autoren: Künstlerin und Autorin Tine Melzer, «Papst-Biograf» Peter Seewald, Vatikan-Insider und Star-Reporter Andreas Englisch und der Münchner Kultpfarrer Rainer Maria Schiessler sind mit dabei. Um alle Infos zu erhalten, Bild oben anklicken.
Bilder können einen besonderen Moment festhalten, in dem uns etwas Grosses berührt. Heilig Geist hat diese im Rahmen einer Fotoaktion gesammelt, jetzt steigt dazu die Vernissage. Scham kann uns ein Wegweiser sein. Leider hat das Gefühl heute einen strafenden Charakter erhalten – der heilende, biblische Aspekt geht verloren. Maria Lourdes macht sich auf die Suche.
Kirche anders im Format, berührend in der Botschaft. Das Format «Kirche kunterbunt» in Guthirt lässt uns dies am Sonntagnachmittag erleben, ausserhalb der Wochenvorbereitungen.
Bekanntes neu erleben beabsichtigt auch die historische Stadttour von Erlöser mit der Autorin, Filmemacherin und Literaturprofessorin Helen E. Keller. Gynäkologie und Geburtshilfe sind diesmal Thema – aber im 16. Jahrhundert. Da kommt es knüppeldick. Auch die Stadttour von St. Josef hat es in sich. Die ehemalige Prostituierte Dodo zeigt ein Zürich, über das man nicht spricht.
Das Kunstprojekt «Garten Eden» in St. Anton ist breit besprochen worden und sorgt immer noch für Echo. Als weiteres Highlight folgt nun das Poesiekonzert mit Gedichten, Musik und Impulsen. Am Friesenberg bei St. Theresia findet ein Liederabend mit dem Titel «Waldesgespräch» statt. Wer hier trockene Kultur ortet, täuscht sich – da ist ein gehöriger Schuss Ironie drin.
Dreikönigen ist immer noch feierlich im Jubiläumsjahr. Eines der Highlights ist das Format «Poesie & Musik». Die September-Ausgabe widmet sich dem Thema «Hülle und Fülle». Ein Abend voller Worte, Klänge und Begegnungen.
Billy Graham war ein Getriebener, der schwer zur Ruhe fand. Nicht mal in der Hochzeitsnacht. Weil er nicht schlafen konnte; kroch er aus dem Bett und tigerte in der Wohnung herum. Als seine Ruth am Morgen erwachte, war ihr frischgebackener Ehemann verschwunden – es dauerte einige Minuten, bis sie ihn fand: zusammengerollt auf dem Boden und tief schlafend.
Geschadet hat der unkonventionelle Auftakt den beiden nicht. Sie waren 63 Jahre lang miteinander verheiratet. Billy Graham starb im Alter von 100 Jahren.
Einen anregenden Herbstbeginn wünscht Ihnen

Oliver Kraaz
Kommunikationsleiter
Katholisch Stadt Zürich
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