Thomas Münch zum Abschied: «Wir kreisen noch zu sehr um uns selbst»

Der katholische Seelsorger und Theologe Thomas Münch feierte am Samstag seinen Abschiedsgottesdienst in der ökumenischen Predigerkirche. Rund 37 Jahre war er in verschiedenen Funktionen für die katholische Kirche der Stadt Zürich tätig. Zum Abschied blickt er in die Zukunft.

Was ging Ihnen durch den Kopf beim Gedanken an den Verabschiedungsgottesdienst?
Freude. Die Vorbereitung auf den Festgottesdienst mit den langjährigen Kolleginnen und Kollegen aus der ökumenischen Zusammenarbeit hat – einmal mehr – grossen Spass gemacht. Ich hoffe, wir konnten diese Lust am Samstag weitergeben.

Wo sehen Sie «Ihre» Kirche heute?
Die Aufbruchstimmung nach dem Vaticanum II wurden in den Amtsjahren von Johannes Paul II und Benedikt XIV Stück für Stück erschwert. Dazu kam die Krise ab 1990 mit Bischof Wolfgang Haas. Das hat die Tätigkeit beeinflusst. Trotzdem: Mit Unterstützung der jeweiligen Pfarrei- und Kirchgemeindeverantwortlichen durfte ich in meinem Wirkungskreis diese Aufbruchstimmung unterstützen. Und jetzt – am Ende meiner professionellen Zeit – reden wir vom synodalen Prozess, den ich bereits in meinem Studium bei Hans Küng kennengelernt hatte. Das macht Mut für die Zukunft.

Sie waren sehr engagiert in der Erneuerung der Kirche. Wie stufen Sie den Kurs der Kirche in der Stadt Zürich ein?
Bei meiner Tätigkeit ging es mir immer darum, «nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten», wie es in der Enzyklika «Gaudium et spes» formuliert ist. Also auf die verschiedenen Sprachen unserer Zeit zu hören, sie zu unterscheiden und sie zu deuten. Dieser Auftrag war mir immer Ansporn, die gesellschaftlichen Entwicklungen zu verstehen und als Theologe darauf zu antworten.

Und? Ist es gelungen?
Es kommt mir manchmal so vor, dass wir die gesellschaftlichen Megatrends, welche auch die Kirche betreffen, zwar besprechen und diskutieren, aber uns zu wenig nicht bewusst sind, dass diese Entwicklungen sich schon durchgesetzt haben.

Verschläft die Kirche also den Anschluss?
Sagen wir es so: Wir antworten mit unseren Struktur- und Pastoralkonzepten teilweise auf Fragen, die zwischen 1990 und 2019 aktuell waren. Lösungsansätze wie Kooperationspartnerschaften, Zusammenarbeit über Pfarrei-, Kirchgemeinde-, Konfessions- und Religionsgrenzen scheinen immer noch Zukunftsmusik. Wir kreisen als röm.-kath. Kirche noch zu sehr um uns selbst.

Welche Chance sehen Sie für katholische Kirche in der konfessionslosen Stadt?
Es könnte ein Weg sein, dass die Kirchen ihre pastorale Arbeit in einer «Quartierkirche» organisieren, die von verschiedenen Konfessionen getragen werden. So könnte man näher bei den Menschen und deren Herausforderungen sein und wirken. Ob es realistisch ist? Träumen gehört zum «Geschäft» eines Seelsorgers (schmunzelt).

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